Prävention von Verhaltensstörungen in der Schweinhaltung
Untersuchungen zum Verhalten von Tätertieren
Im Rahmen eines LfULG-Projektes zum Kannibalismus bei Schweinen wurden Haltungs- und Fütterungsfaktoren evaluiert mit dem Ziel, Ursachen und Wege zur Minderung von Verhaltensstörungen zu finden. Es zeigte sich, dass die Untersuchung von Tätertieren genauere Hinweise auf die auslösenden Faktoren ergaben als die Untersuchung der Opfertiere. Die Störungen entstehen von Mitte bis zum Ende der Ferkelaufzucht und von Anfang bis Mitte der Schweinemast bzw. Jungsauenaufzucht, also in Zeiträumen mit vergleichsweise hoher Stoffwechselbelastung. Die verursachenden Tätertiere sind in nur einem Drittel (27,6 %) der Fälle »Wiederholungstäter«, die Fehlverhalten erlernt haben. Kannibalismus und dessen Wiederholungsgefahr entstehen durch nicht ausreichend abgeheilte Verletzungen und Schwanznekrosen.
Grundvoraussetzung für den Kupierverzicht sind gesunde Bestände. Ist der Gesundheitsstatus hoch, dann ist die Anzahl der möglichen »Tropfen, die das Fass zum Überlaufen bringen« gering, Potenzial ist aber trotzdem vorhanden. Bei schlechtem Gesundheitsstatus ist die Wahrscheinlichkeit für Verhaltensstörungen hoch. Statistisch gesichert konnte das Fehlverhalten der Tätertiere mit dem Geschlecht, der Besatzdichte, der Sortierung und dem Beschäftigungsangebot in Verbindung gebracht werden. Die Bedeutung des Lichtangebotes und der Abstammung konnte nicht abschließend geklärt werden.
Die Optimierung der Haltungsbedingungen kann das Risiko zwar senken (5 bis 30 %), Verhaltensstörungen ausschließen kann sie jedoch nicht. Ein ausführlicher Projektabschlussbericht steht im Internet zur Verfügung
- Verminderung von Verhaltensstörungen beim Schwein Schriftenreihe, Heft 19/2015