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Forum junger Fach- und Führungskräfte

Wunschberufe in der Landwirtschaft gefunden

12. Forum junger Fach- und Führungskräfte in Plauen

Vorträge zu beruflichen Werdegängen von sechs jungen Frauen und Männern in der Landwirtschaft – Absolventen der Fachschulen oder von Meistervorbereitungslehrgängen der Landwirtschaft - bildeten den Rahmen des diesjährigen Forums im Vogtland. Welche Chancen sich jungen Leuten in der Agrarwirtschaft bieten und welche Perspektiven eine Fortbildung an einer der sächsischen Fachschulen für Landwirtschaft eröffnet, dieses aufzuzeigen, ist das Anliegen des Forums für junge Fach- und Führungskräfte.

Ein interessantes fachliches Wirken und zugleich der erfolgreiche berufliche Weg der Referentinnen und Referenten haben die 120 Teilnehmer im ersten Teil des Tages beeindruckt.

Der Staatssekretär des SMUL, Herr Dr. Frank Pfeil, hatte zu Recht darauf hingewiesen, dass es eine enorme Lücke zwischen Bedarf an Arbeitskräften in der Agrarbranche und neu in das Berufsleben einsteigenden Menschen gibt. Altersbedingt scheiden rund 550 Mitarbeiter jährlich aus der Landwirtschaft aus, während nur 350 junge Männer und Frauen nach Ende einer Ausbildung nachrücken. In Sachsen fehlen also 200 neue Fachkräfte, um allein die Altersabgänge auszugleichen. Das Nachwuchsproblem im Bereich der Führungsebene ist zwar nicht ganz so dramatisch. Doch auch hier konkurriert die Landwirtschaft mit anderen Branchen um junge kluge Köpfe, merkte Dr. Pfeil an.

Die Bandbreite der Referate war groß. Ein junger Mann, Phillip Weinitzke, Meisterabsolvent in Plauen und inzwischen Pflanzenbauleiter bei der Marienhöher Milchproduktion Agro Waldkirchen GmbH, berichtete über die Einführung eines neuen Pflanzenbausystems, der sogenannten »Regenerativen Landwirtschaft«. Sein Betrieb wurde dafür unlängst mit dem »Innovationspreis der Vogtländischen Landwirtschaft« ausgezeichnet. Die regenerative Landwirtschaft bewegt sich zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft, verwendet biologische Hilfsstoffe, verzichtet aber nicht völlig auf synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel, und setzt vor Allem auf Humusaufbau.

Die Technikerausbildung in Freiberg-Zug und anschließend ein mehrmonatigen Aufenthalt in den USA auf einer Milchrindfarm führte Christina Dietzsch zu ihrer derzeitigen Tätigkeit als Beraterin im Außendienst beim Rinderzuchtunternehmen Masterrind GmbH. Ihre Arbeit als Beraterin erfordert viel Organisationstalent und Selbstdisziplin. Ihr Anspruch sei es zudem, den Kunden Erreichbarkeit und schnelle Bearbeitung ihrer Anliegen zu gewährleisten.

Axel Köhler war der Vertreter der Fachschule Löbau. Er hat den Abschluss als Wirtschafter geschafft und besucht derzeit den Vorbereitungskurs auf die Meisterprüfung. Wie sich die Fruchtbarkeitsergebnisse der Milchkühe im Familienbetrieb seiner Mutter verbessern lassen, thematisierte der mitarbeitende Sohn im Rahmen seiner Fortbildung. Sein Fazit dazu lautet: Das Management sei entscheidend, denn es kommt hierbei auf den Menschen an.

Ebenfalls ging es auch um die Milchviehhaltung im Vortrag von Michael Bergmann, der im Vorjahr an der Fachschule Großenhain nach dem Vorbereitungskurs die Meisterprüfung mit dem besten Zeugnis sachsenweit abschloss. Wie sich der Einsatz homöopathischer Mittel bei der Behandlung von Milchkühen auswirkt, hatte er im Rahmen seiner Facharbeit untersucht. Der Herdenmanager bei der Schradenmilch GmbH im südbrandenburgischen Hirschfeld kam zu dem Ergebnis, dass sich mit Homöopathie die Behandlungskosten senken ließen.

Robert Künne erwarb den Wirtschafterabschluss an der Fachschule in Döbeln und ist derzeit dabei, seinen eigenen Biobetrieb aufzubauen. Dazu übernimmt er schrittweise Flächen vom Familienbetrieb seines Vaters. Er stellte in seinem Vortrag vor, dass sich Kosteneinsparungen mit Methoden des Precision Farmings erzielen lassen. Zugleich ließen sich darüber hinaus auch positive Effekte für den Umweltschutz erreichen, wenn man Parallelfahrhilfen, Online-Ackerschlagkarteien und andere Hilfsmittel nutzt. Der Hof in Olchemitz bei Leipzig hat noch ein weiteres Standbein, nämlich einen Cateringservice, der vegane Speisen für die Großstadt zubereitet. Das bescherte dem Referenten in der anschließenden Podiumsdiskussion aus dem Publikum die Frage »Warum vegan?«. Robert Künne antwortete, dass er selbst eine vegetarische Ernährung für ressourcenschonender halte, wobei es selbstverständlich jedem frei stehe, über die Art und Weise der eigenen Ernährung zu entscheiden. Zum agrarpolitischen Forum in der zweiten Tageshälfte wurde von den sechs Referenten, von Tino Straßburger vom Referat Grundsatzfragen, Agrarpolitik und Recht des SMUL und von Dr. Uwe Bergfeld, Abteilungsleiter Landwirtschaft im LfULG im Anschluss zunächst das Thema Milchmarkt und Erzeugerpreise diskutiert. Das Bild der Agrarbranche in der Öffentlichkeit kam in einer nächsten Diskussionsrunde zur Sprache.

Ebenso wurden unter Moderation von Karsten Bär, Redakteur der Bauernzeitung, weitere Themen angesprochen, wie beispielsweise Tierwohlstandards, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder das Nebeneinander von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft. Abschließend kam in der Diskussion zur Sprache, dass auch technologische Unterstützung gefragt ist, um den berechtigten Anliegen des Umweltschutzes Rechnung zu tragen. Solide ausgebildeter und motivierter Nachwuchs an Fach- und Führungskräften ist zudem notwendig, so Robert Künne an die im Publikum versammelten Fachschüler gewandt.

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